Originaltitel: Johann Kerbrat: Inside Robinhood’s Crypto Strategy (Full Explanation)
Originalquelle: TheRollup
Originalübersetzung: Shenchao TechFlow
Interessenerklärung
Johann Kerbrat ist Führungskraft bei Robinhood und verantwortlich für alle Produktlinien im Kryptobereich (einschließlich Robinhood Chain, tokenisierte Aktien, Staking-Dienste, Perpetual Contracts). Seine Vergütung und Aktienanreize sind direkt an den Aktienkurs von $HOOD gekoppelt. Alle Diskussionen über Robinhood Chain in dieser Folge betreffen seinen direkten Verantwortungsbereich. Der Titel verwendet „Insider-Perspektive“ statt „Analyse“, um diese Interessenbeziehung widerzuspiegeln.
Zusammenfassung
Drei Wochen nach dem Mainnet-Start von Robinhood Chain erreichte das wöchentliche DEX-Handelsvolumen über 3 Milliarden US-Dollar, die Anzahl der Transaktionen überstieg 105 Millionen und der TVL lag bei über 300 Millionen US-Dollar. Johann Kerbrat erläuterte erstmals im Podcast die strategische Logik der Chain: Warum die „Hantel“-Aufteilung (Meme-Token + Real-World Assets parallel), warum der Arbitrum-Technologie-Stack statt einer eigenen L1 verwendet wird und wie die 27 Millionen Finanzierungskonten von Robinhood schrittweise auf die Chain gebracht werden. Er stellte klar, dass der Wettbewerbsfokus auf der „Vergrößerung des Kuchens“ liegt, nicht auf der Übernahme von Marktanteilen von Base, und verriet, dass tokenisierte Aktien bereits über 120 Länder und 90 Basiswerte abdecken, mit zukünftiger Expansion auf internationale Aktien und Privatmärkte.
Wichtige Zitate
„Unsere Philosophie ist, die Chain erlaubnislos und für alles offen zu machen. Memes, RWAs und viele andere Produkte sind willkommen. Wir integrieren tief mit der Chain.“
„Robinhood hat 27 Millionen Finanzierungskonten. Für diese Nutzer ist DeFi immer noch zu komplex und erfordert zu viel technisches Wissen. Wir überlegen, wie wir die guten Produkte von DeFi herüberbringen und gleichzeitig benutzerfreundlich und einfach zu bedienen machen, ohne dass man eine Wallet erstellen oder sich um Private Keys kümmern muss.“
„Ich denke, Wettbewerb ist letztlich gut für die Kunden. Wir haben die Gebühren bei der Einführung des Krypto-Handels drastisch gesenkt. Jetzt ist es auf der Chain noch zu früh, um über Marktanteile zu sprechen.“
„Wir sind erst seit drei Wochen live. Wenn man darüber nachdenkt, zig Millionen Nutzer auf die Chain zu bringen, mehr Nützlichkeit zu schaffen und Dinge, die die Leute wirklich nutzen (nicht nur vorübergehende Volatilität), dann denkt man an eine langfristige Einnahmequelle.“
„Wir wollen nicht, dass nächstes Jahr die gesamte Handelsaktivität von Robinhood auf die Chain verlagert wird. Das wäre etwas träumerisch. Aber wenn wir Dinge finden, die auf traditionellem Weg nicht möglich sind, wie internationale Aktien oder 24/7-Handel, dann kann die Chain die Lösung sein.“
1. Daten nach drei Wochen Live-Gang: 3 Milliarden US-Dollar wöchentliches Handelsvolumen sind nur der Anfang
Der Moderator eröffnet mit einer Reihe von Zahlen: Nach dem Mainnet-Start von Robinhood Chain erreichte das wöchentliche DEX-Handelsvolumen 3 Milliarden US-Dollar, über 50 Millionen Transaktionen, über 1 Million Adressen und ein TVL von über 300 Millionen US-Dollar.
Kerbrats Antwort ist direkt: Diese Zahlen wurden bereits übertroffen. Er sagt, dass die Anzahl der Transaktionen am Morgen bereits 105 Millionen überschritten habe. Er beschreibt das Team als „sehr aufgeregt“ und die Kernaussage ist, dass diese Zahlen die Nachfrage nach On-Chain-Produkten widerspiegeln.
Er betont besonders, dass das Ökosystem von Anfang an bereit war, Entwickler aufzunehmen, anstatt erst aufzubauen und dann auf Leute zu warten. Dies unterscheidet sich vom Weg vieler L2s, die zuerst leerlaufen und dann langsam Nutzer anziehen.
II. Die „Hantel“-Strategie: Warum Meme und RWA parallel laufen
Der Moderator erwähnte ein interessantes Phänomen: Robinhood-CEO Vlad Tenev beschrieb das On-Chain-Ökosystem in den sozialen Medien als „Hantel“-Struktur, mit Meme-Token auf der einen Seite und Real-World-Assets (RWA) auf der anderen, und sagte: „In dir sind zwei Wölfe.“
Kerbrat erläuterte die interne Denkweise. Die Chain wurde von Anfang an als permissionless konzipiert, offen für alle Arten von Anwendungen. Meme-Token brachten Market Maker und DeFi-Nutzer, während RWA Nutzern weltweit dient, die nicht einfach US-Aktien und ETFs kaufen können. Beides widerspricht sich nicht, sondern zieht jeweils verschiedene Gruppen an.
Er erwähnte auch mehrere bereits gestartete integrierte Produkte: Robinhood Earn (ermöglicht Stablecoin-Renditen über On-Chain-Protokolle in der Haupt-App) und tokenisierte Aktien (handelbar in über 120 Ländern über das Robinhood Wallet).
Der Moderator fragte nach den Unterschieden zu traditionellen Finanzprodukten. Kerbrat listete die Probleme des traditionellen Systems auf: Überweisungen sind nur zwischen 9:30 und 16:00 Uhr möglich, provisionsfreie Broker sind nur an Werktagen während der Handelszeiten aktiv, Optionen und Futures-Kontrakte laufen aus. Die On-Chain-Version ist aus Produktsicht die bessere Lösung.
III. Wie man 27 Millionen Konten auf die Chain bringt: Die Fusion von DeFi und CeFi
Kerbrat nannte eine entscheidende Zahl: Robinhood hat 27 Millionen finanzierte Konten. Die meisten dieser Nutzer hatten keinen Kontakt mit DeFi, da DeFi immer noch komplex ist und viel technisches Wissen erfordert.
Sein Ansatz ist „das Beste aus beiden Welten“: Die zugrunde liegende Technologie von DeFi für Renditen nutzen, während das Frontend von Robinhood eine einfache UX/UI und Sicherheit bietet. Robinhood Earn ist ein Beispiel: Nutzer erhalten On-Chain-Renditen in der Haupt-App, ohne selbst eine Wallet erstellen oder private Schlüssel verwalten zu müssen.
Er definierte diesen Trend als „Fusion von CeFi und DeFi“: Zentrale Plattformen nutzen Blockchain-Technologie, um bessere Produkte zu entwickeln, während sie eine benutzerfreundliche Erfahrung beibehalten.
Zur technischen Umsetzung tokenisierter Aktien enthüllte Kerbrat den Mechanismus der „Just-in-Time-Tokenisierung“. Traditionelle DEXs benötigen vorab aufgebaute Liquiditätspools, aber da Robinhood selbst Broker ist und diese Aktien hält, kann es Aktien schnell auf die Chain bringen, wenn Nutzer sie handeln möchten. Im Hintergrund wird eine Kombination aus prop AMM, Standard AMM, RFQ und klassischen Pools verwendet, um jederzeit gute Preise zu gewährleisten.
Derzeit gibt es über 90 Aktien-Token auf der Chain, aber er glaubt, dass dies nur der Anfang ist. In Zukunft wird es auf internationale Aktien, Privatmärkte und weitere Anlageklassen ausgeweitet.
IV. Warum Arbitrum: Die Logik, kein eigenes L1 zu bauen
Der Moderator stellte eine technische Architekturfrage: Warum der Technologie-Stack von Arbitrum und nicht der Bau einer eigenen Chain?
Kerbrats Antwort war pragmatisch. Robinhood möchte sich auf das konzentrieren, was es am besten kann: gute UX/UI und Finanzprodukte, anstatt etwas bereits Vorhandenes neu zu erfinden. Das Erreichen von Ethereum-Level-Sicherheit und Dezentralisierung erfordert viel Zeit und viele Entscheidungen (z. B. der Übergang von PoW zu PoS, die Zusammenarbeit mehrerer Stiftungen). Die Sicherheit von Ethereum und die Liquidität des EVM-Ökosystems direkt zu nutzen, ist die vernünftigere Wahl.
Die Gründe für die Wahl von Arbitrum als L2-Technologie-Stack umfassen: Stylus (ermöglicht das Schreiben von Smart Contracts in jeder Programmiersprache), extrem schnelle Blockzeiten (Finanzprodukte erfordern hohe Geschwindigkeit) und niedrige Gasgebühren (auch in Zeiten hohen Transaktionsvolumens bleiben die Gebühren niedrig). Er erwähnte auch, dass er letzte Woche bei einem Anstieg der On-Chain-Aktivität aktiv die Gasgebühren gesenkt hat, um die Benutzererfahrung nicht zu beeinträchtigen.
Zur Kontroverse um die Ethereum-„Miete“ (Robinhood Chain hat über 1 Million US-Dollar Einnahmen erzielt, aber nur 1-2 % an Ethereum gezahlt) meinte Kerbrat, dies sei die Standardmechanik von Ethereum, und es gehe nicht um Fairness. Seine Perspektive ist langfristig: Wenn Robinhood zig Millionen Nutzer auf die Chain bringt und reale Anwendungsfälle schafft, wird dies letztendlich eine langfristige Einnahmequelle für das Ethereum-Ökosystem sein.
5. Wettbewerb mit Base: Den Kuchen vergrößern, nicht Anteile stehlen
Der Moderator erwähnte den „künstlichen Wettbewerb“ zwischen Robinhood Chain und Coinbase Base in den sozialen Medien. Base hat kürzlich zugegeben, dass das soziale Experiment gescheitert ist, und wendet sich anderen Richtungen zu, während Robinhood ebenfalls die Möglichkeiten des On-Chain-Social-Tradings erkundet.
Kerbrat ist sich über seine Haltung zum Wettbewerb im Klaren: Wettbewerb ist gut für die Kunden. Als Robinhood damals den Krypto-Handel einführte, senkte es die Gebühren drastisch, und letztendlich profitierten die Nutzer davon. Aber jetzt ist es noch zu früh, über Marktanteile zu sprechen. Robinhood Chain ist erst drei Wochen alt, während Base bereits ein bis zwei Jahre läuft.
Er zog einen Vergleich mit einer Zahl: Derzeit besitzt nur ein sehr kleiner Teil der Weltbevölkerung tokenisierte Vermögenswerte. Sein Ziel ist es, den Kuchen zu vergrößern, damit mehr Menschen weltweit Vermögenswerte besitzen können, anstatt in einem kleinen bestehenden Topf um Anteile zu kämpfen. Zu Bases sozialem Experiment sagte er: „Es ist normal, neue Dinge auszuprobieren; manchmal scheitert man, manchmal hat man Erfolg.“
Robinhood konzentriert sich auf Finanzprodukte: Earn, Spot-Handel, Perpetual Contracts. Das sind Bereiche, in denen sie stark sind und Mehrwert schaffen können.
6. Auswahlkriterien für DeFi-Partner
Der Moderator listete die Partner auf, die beim Start von Robinhood Chain bekannt gegeben wurden: Morpho (Kreditvergabe-Vaults), Lighter (Perpetual Contracts), 0x (Aggregator und Quote-API), Chainlink (Orakel), LayerZero (Cross-Chain).
Kerbrat erläuterte die drei Kriterien für die Partnerauswahl. Erstens: Robinhood ist ein börsennotiertes Unternehmen mit mehreren Lizenzen weltweit; Partner müssen die Compliance-Anforderungen verstehen und unterstützen. Zweitens: Es muss ein einzigartiges Erlebnis geschaffen werden. Zum Beispiel ging die Zusammenarbeit mit Morpho weit über das einfache Anbinden einer API hinaus; es erforderte maßgeschneiderte stabile Zinssätze, Versicherungsmechanismen und eine spezielle UX, was viel Zeit für intensive Diskussionen und gemeinsame Entwicklung in Anspruch nahm. Drittens: Es muss eine Differenzierung von der Konkurrenz geben.
Zum Zeitplan für die Einführung von Perpetual Contracts (Perps) in der Haupt-App in den USA sagte Kerbrat, dass man immer noch auf regulatorische Klarheit warte; selbst wenn der CLARITY Act verabschiedet werde, seien Perpetual Contracts ein weiteres großes Problem. Derzeit können Nutzer über die Zusammenarbeit von Robinhood Wallet und Lighter Perpetual Contracts handeln. Er verriet auch, dass Bitstamp (die von Robinhood übernommene europäische Börse) bereits Perpetual Contracts ausweitet, von Krypto auf Rohstoffe und ETF-Kontrakte.
7. Vom Broker zur Super-App: Die Anlagelogik von $HOOD
Das letzte Thema kehrte zur Anlageperspektive zurück. Der Moderator fragte: Was bedeutet es jetzt, $HOOD-Aktien zu besitzen?
Kerbrat skizzierte die „Super-App“-Vision von Robinhood: Aktien, Optionen, Futures, Prognosemärkte, Krypto, Kreditkarten (gerade erst die Platinum-Karte veröffentlicht), Bankdienstleistungen, KI-Agentenhandel (MCP bereits verfügbar). Der Kern ist eine App, die alle finanziellen Bedürfnisse der Nutzer in verschiedenen Lebensphasen erfüllt.
Er hob besonders das Fehlen von Finanzbildung hervor: Junge Menschen lernen in der Schule keine Finanzkenntnisse, müssen aber nach dem Highschool-Abschluss bereits über die Altersvorsorge nachdenken. Robinhood möchte sich in der Finanzbildung engagieren; das IRA-Konto ist ein Beispiel.
Aus geschäftlicher Sicht erzielen alle Geschäftsbereiche mittlerweile Einnahmen im neunstelligen Bereich (Hunderte Millionen Dollar), die Einnahmequellen sind diversifiziert, und es ist nicht mehr nur eine reine Handelsplattform. Zu den Einnahmen der Chain selbst sagte Kerbrat, dass derzeit die Akzeptanz Vorrang vor den reinen Einnahmen habe. Die Festlegung der Gas-Gebühren sei ein Balanceakt: Zu niedrig führt zu Missbrauch durch Spam-Transaktionen und Bots, zu hoch behindert die Akzeptanz. Derzeit befinde man sich in der Phase der „Optimierung für Akzeptanz“ und nicht der „Optimierung für Einnahmen“.








